Die Rückkehr des Fischotters nach Bayern ist ein Erfolg für den Naturschutz, doch für Fischbestände und Teichwirtschaften stellt sie eine enorme Herausforderung dar. Zahlreiche Interessierte trafen sich in Kaufering zum Fischotterseminar des LFV Bayern, um mehr über Biologie, Bestandszahlen und praxisnahe Schutzmaßnahmen für Fischbestände zu erfahren. Referent Phillip Roser (Referat III – Fischerei, Gewässer- und Naturschutz) verdeutlichte die Brisanz des Themas. Jonas Stummer berichtet aus seiner Perspektive als Teilnehmer:

Der Stoffwechsel als Treiber des Konflikts

Als „Energiebündel ohne Fettreserven“ verfügt der Fischotter zwar über ein dichtes Fell, ihm fehlt jedoch die isolierende Speckschicht anderer Wassersäuger. Deshalb muss er täglich rund 15 % seines Eigengewichts an Nahrung aufnehmen, um seine Körpertemperatur konstant zu halten.

Dies führt zu einem Jagdverhalten, das die Fischbestände oft merklich ausdünnt und zu teils großen Konflikten mit der Fischerei führt: Bei ausreichender Nahrungsverfügbarkeit, wie in Teichwirtschaften, aber auch in natürlichen Gewässern, werden bei größeren Fischen oft gezielt nur die energiereichsten Organe gefressen. Dies erhöht den ökologischen und wirtschaftlichen Schaden pro Tier erheblich, da weit mehr Fische getötet werden, als für die Ernährung nötig wären.

Symbolfoto

Warum klassischer Besatz oft wirkungslos bleibt

Der hohe Jagddruck trifft nicht alle Fische gleichermaßen. Während wild aufgewachsene Fische durch erlerntes Fluchtverhalten und durch Selektion der fittesten Individuen über Generationen hinweg effiziente Anpassungen zur Vermeidung der Prädation besitzen, sind fangfähige Satzfische aus teichwirtschaftlicher Aufzucht meist leichte Beute für den Jäger. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass der Fischotter ein Nahrungsopportunist ist und jene Beutetiere bevorzugt, die mit dem geringsten Aufwand zu erreichen sind. So ernähren sich Fischotter im Frühjahr oft für einige Wochen hauptsächlich von Amphibien, bis diese Nahrungsquelle nach deren Laichzeit versiegt und wieder vermehrt Fische gejagt werden. Auch zwischen den Beutefischarten gibt es Unterschiede. Ruhiger stehende Arten wie Hecht und Schleie fallen dem Fischotter eher zum Opfer als beispielsweise Bachforellen aus Wildbestand.

Besonders an kleinen, strukturarmen Gewässern steigt der Druck massiv an, denn hier fehlen gerade größeren Fischen Versteckmöglichkeiten und der Otter kann sie leicht bis zur Erschöpfung durchs Gewässer jagen.

Daraus folgt eine wichtige Erkenntnis für die fischereiliche Bewirtschaftung: Ein reiner Nachbesatz ohne flankierende Maßnahmen ist in Ottergebieten oft nicht zielführend. Es braucht stattdessen ein Umdenken in der Gewässerbewirtschaftung. In der Praxis zeigt sich, dass möglichst naturnah bewirtschaftete Gewässer mit selbst reproduzierenden Beständen am stabilsten auf Prädation reagieren.

Hier halten die Teilnehmenden des Seminars nach Otter-Spuren Ausschau, Foto: LFV

Strategien für die Praxis: Schutz durch Struktur

Die Bayerische Staatsregierung hat derzeit ein Vier-Säulen-Modell zur Minimierung der Konflikte mit dem Fischotter etabliert: Beratung, Prävention, Entschädigung und – auf Beschluss des Landtags neu hinzugekommen – die Entnahme als letzte Option zum Schutz betroffener Teichwirtschaften. Bislang kam es, trotz aktuell gültiger Verordnungen in Nieder- und Oberbayern jedoch noch zu keiner Genehmigung von Entnahmen – die Verordnungen müssen sich zunächst noch in der Praxis beweisen und endlich von den Genehmigungsbehörden umgesetzt werden. Auch wenn für natürliche Gewässer derzeit keine Entnahmemöglichkeit besteht, können die Vereine vor Ort aktiv werden und ihre Bestände durch einen verminderten Jagderfolg des Otters stabilisieren:

  • Lebensraum gestalten: Die gezielte Einbringung von Unterständen, bspw. durch Totholz, kann den Fischen die nötige Deckung geben. Wo aus wasserwirtschaftlichen Gründen kein Totholz eingebracht werden darf, können auch künstliche Unterstände (z. B. vergitterte Rohre) in Betracht gezogen werden.
  • Natürliche Reproduktion stärken: Am anpassungsfähigsten sind Fischbestände dort, wo eine natürliche Reproduktion stattfinden kann und somit auch eine Selektion robuster Individuen. Wo natürliche Laichhabitate fehlen, hilft die Schaffung oder Sanierung von Laichplätzen.
  • Besatzstrategie anpassen: Wenn Besatz aufgrund fehlender Laichhabitate weiterhin notwendig ist, ist ein Umstieg auf möglichst frühe Lebensstadien (Brütlinge/Sömmerlinge) statt fangfertiger Fische zu empfehlen. Dadurch wird die natürliche Anpassungsfähigkeit des Bestands gefördert.

So sehen Fischotterspuren aus – Foto: LFV

Fazit: Management statt Ideologie

Der Fischotter ist Teil unserer heimischen Fauna, erfordert in der Kulturlandschaft jedoch ein aktives Wildtiermanagement. Nur durch ein funktionierendes Ausgleichssystem und die konsequente Umsetzung des bayerischen Managementplans können Fischerei und Artenschutz dauerhaft miteinander vereinbart werden.

Monitoring: Helfen Sie mit!

Eine belastbare Datengrundlage ist Voraussetzung für eine sachliche Argumentation gegenüber Politik und Behörden. Besonders in Westbayern bestehen noch Dokumentationslücken. Systematische Kontrollen an Brückenbermen sowie der Einsatz von Wildkameras ermöglichen eine effektive Erfassung von Fischottern. Hinweise, wie man Spuren erkennt, finden sich auf bayernotter.de. Der LFV unterstützt zudem Vereine durch den Verleih von Wildkameras, um Nachweise rechtssicher zu dokumentieren.

Helfen Sie mit: Melden Sie Ihre Beobachtungen auf bayernotter.de oder in der App des Fischereiverbands Oberbayern.