Der Verein für Fischerei und Gewässerpflege hat sich in den Landkreisen Mühldorf am Inn und Altötting ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Ruttenbestände zu sichern und die Art dazu selbst zu vermehren.
Die inzwischen bedrohte Fischart war einst ein fester Bestandteil des Inns und wurde bis in die 70er-Jahre regelmäßig in guten Größen gefangen. Zwar konnten Besatzmaßnahmen in den 90er-Jahren den Bestand zeitweise stabilisieren, doch die Beschaffung geeigneter Besatzfische gestaltete sich zunehmend schwieriger und kostenintensiver. Infolge wurden Besatzmaßnahmen reduziert oder ganz eingestellt, was zu spürbaren Auswirkungen auf die Fangzahlen führte. Der Verein entschloss sich daher, die durchaus anspruchsvolle Ruttenaufzucht selbst in die Hand zu nehmen.
Vorbereitungen und Organisation:
Zunächst brauchte es das Engagement mehrerer Vereinsmitglieder: An mehreren Abenden haben sie systematisch nach geeigneten Laichfischen gesucht, wozu durchaus Erfahrung, Geduld und gute Gewässerkenntnisse von Nöten sind. Parallel wurden Transport- und Hältermöglichkeiten für die Fische vorbereitet.
Fang der Laichfische
Mit Einsetzen der kalten Jahreszeit (ca. Ende November) wurden dann gezielt Fangaktionen organisiert, da die Rutten bei sinkenden Wassertemperaturen zunehmend aktiv werden. Gefischt wurde überwiegend in den Abendstunden (etwa 16:30 Uhr bis 21:30 Uhr).
Zum Einsatz kamen sensible, aber kräftige Feederruten, die eine frühzeitige Bisserkennung ermöglichen und verhindern sollen, dass die Fische den Haken tief schlucken. Die Bisse wurden meist über Knicklichter angezeigt. Schließlich gelang es, innerhalb weniger Tage mehrere Exemplare in geeigneter Größe (45-60 cm) zu fangen.

Hälterung und Ablaichen
Die Rutten wurden in einem vorbereiteten Becken mit etwa 600 Liter Volumen und einer Durchlauffilterung gehältert. Versteckmöglichkeiten aus Lochziegeln sorgten für eine möglichst stressarme Umgebung. Auf eine Fütterung wurde bewusst verzichtet, um die Wasserqualität stabil zu halten und Stress zu vermeiden. Stattdessen lag der Fokus auf optimalen Bedingungen für das natürliche Ablaichen. Der Wasserablauf wurde über feine Kescher geführt, sodass eventuell abgegebene Eier frühzeitig erkannt werden konnten.
Anfang Januar (während einer milderen Witterungsphase) konnte dann eine leichte Trübung des Wassers festgestellt werden und die ersten Eier zeigten sich. Sie wurden vorsichtig geborgen und für die weitere Aufzucht vorbereitet. Die Laichfische wurden unmittelbar danach wieder in den Inn zurückgesetzt, sodass sie gegebenenfalls vorhandene Resteier weiter ablaichen konnten.
Erbrütung der Eier

Die Eier wurden in ein Kreislaufsystem mit einem sogenannten Zugerglas überführt. Dabei sorgt ein Filtersystem für die Wasserqualität und eine gleichmäßige, kontrollierte Wasserströmung dafür, dass die Eier ständig durchströmt und in Bewegung bleiben. Verpilzte Eier gewinnen an Volumen, steigen dadurch auf und werden quasi aus dem System in feine Kescher geschwemmt. Daraus werden sie regelmäßig entfernt, um die Ausbreitung von Pilzen zu verhindern. Zusätzlich wurde das System in regelmäßigen Abständen mit einem milden Schwarzteeaufguss gespült, was sich als wirksame Maßnahme gegen Verpilzung erwiesen hat.
Entwicklung und Schlupf

Augenpunkteier der Rutte auf 5 mm Raster
Nach etwa vier Wochen waren deutliche Entwicklungsstadien in den Eiern sichtbar. Unter dem Mikroskop konnten bereits Augen und Bewegungen erkannt werden. Anfang Februar schlüpften die ersten Dottersacklarven, die in ein separates Aufzuchtbecken überführt wurden, das nur leicht belüftet wurde. Zunächst verblieben die Larven am Boden und ernährten sich von ihrem Dottersack. Gegen Ende Februar begannen die Jungfische aktiv aufzusteigen und frei im Wasser zu schwimmen; ein entscheidender Entwicklungsschritt.

Frei schwimmende Ruttenlarven auf 5 mm Raster.
Aufzucht und Besatz
Ein Großteil der geschlüpften Larven wurde zeitnah in geeignete Altgewässer mit Anbindung an den Inn eingesetzt, um den natürlichen Bestand zu stärken.
Ein kleiner Teil verblieb in der weiteren Aufzucht, um unterschiedliche Fütterungsmethoden zu erproben. Dabei kamen sowohl Artemia-Nauplien als auch fein gesiebtes Plankton zum Einsatz.
Herausforderungen bei der Ruttenaufzucht
Die Aufzucht von Rutten bringt einige besondere Schwierigkeiten mit sich. Eine zentrale Herausforderung ist bereits der Fang geeigneter Laichfische. Die Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Tieren ist selbst während der Laichzeit schwierig, wodurch es vorkommen kann, dass ungeeignete Zusammensetzungen gefangen werden.
Auch die Empfindlichkeit der Eier stellt hohe Anforderungen an die Technik. Rutteneier sind äußerst klein und leicht, was sie anfällig für Verpilzung und mechanische Belastung macht. Eine angepasste Wasserführung ist daher entscheidend.
Zudem spielt der richtige Zeitpunkt eine wesentliche Rolle: Erst bei niedrigen Wassertemperaturen um etwa 4 °C werden die Fische aktiv und beginnen mit dem Laichgeschäft. Diese Bedingungen treten meist erst im späten Herbst oder frühen Winter ein.

Rutte (Lota lota) - Bild: Andreas Hartl
Fazit und Ausblick
Das Projekt zeigt, dass die Aufzucht von Rutten mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich ist. Neben der technischen Ausstattung, bestehend aus Hälterbecken, Aquarien, Pumpen und Erbrütungssystemen, sind vor allem Engagement, Sorgfalt und Erfahrung entscheidend.
Der Fischereiverein für Gewässerpflege leistet damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Förderung der Ruttenbestände. Gleichzeitig eröffnet das Projekt neue Perspektiven, um Besatzmaßnahmen unabhängiger und langfristig kosteneffizienter zu gestalten.

Dr. Manfred Holzner ist Fachmann für Gewässerökologie und Fischbiologie und vertritt den Verein für Fischerei und Gewässerpflege im Hauptausschuss des Fischereiverbands Oberbayern. Seine vollständige Projektbeschreibung können Sie hier herunterladen.
Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten zum Austausch finden sie auch unter derfischereiverein.de