Schritt für Schritt zu neuen Laichplätzen und zur Erbrütung von Salmoniden-Eiern in Fließgewässern. Eine Erfolgsgeschichte des KFV Schongau.

In allen zur Wasserkraftnutzung gestauten Flüssen sind die Probleme ähnlich: Durch die Unterbrechung des natürlichen Geschiebetriebs geht in den Fließstrecken der Kiesboden mit dem wichtigen Lückensystem als Laichgrund und Lebensraum vielfach verloren. Die in den Staubereichen verringerte Schleppkraft des Wassers führt zu Sedimentation, Verschlammung des Gewässerbodens und Verlandung.

Vom Verlust dieser Laichsubstrate sind besonders die kieslaichenden Fischarten Forelle, Äsche, Huchen, Barbe und Nase in ihrer Reproduktion massiv betroffen. Dieses Defizit lediglich mit Besatz erwachsener Fische aus der Zucht zu kompensieren, kann dem gesetzlichen Hegeauftrag der Fischerei nicht genügen. Der Kreisfischereiverein Schongau hat deshalb schon vor etlichen Jahren Wege gesucht, in seinen Pachtstrecken am Lech die Laichmöglichkeiten der Fische zu verbessern und zusätzlich durch die Erbrütung von Fischeiern direkt im Gewässer den Jugendaufbau der Bestände zu fördern.

Geeignete Laichfläche

Und das mit Erfolg, wie das vermehrte Aufkommen von jungen Bachforellen, Äschen, Barben, Nasen, Huchen aber auch Aalrutten und Mühlkoppen beweißt. In Schongau hat man dazu verschiedene Module entwickelt und aufeinander abgestimmt. In ihrer Kombination sind sie besonders wirksam, jedoch auch als Einzelmaßnahmen leicht zu adaptieren.

Damit auch andere Vereine davon profitieren, hat der Kreisfischereiverein einen Leitfaden erstellt, dessen einzelne Schritte nachfolgend kurz vorgestellt werden. Auch die Beratungsstellen der Bezirke und Fischereiverbände helfen hier gerne weiter.


Rechtliche Rahmenbedingungen bedenken und klären

  • Fischereirechtliche Vorgaben (Artenspektrum, Bestimmungen zum Besatz)
  • Wasserrechtliche Aspekte, (Eingriffstiefe, Genehmigungsbedarf, Zuständigkeiten)
  • Achtung: Das Einbringen von Kies oder des Pfluges benötigt unter Umständen eine behördliche Genehmigung.
  • Beratende Stellen: Fischereifachberatung, Verbände, etc.

Pflügen der Laichplätze

  • Auflockerung der jährlich gleichen Stelle mittels Kartoffelpflug und Seilwinde
  • Ende September bis Anfang Oktober, Tiefe min. 30cm
  • Mobil oder an Schlepper/KFZ installiert Spülen des gepflügten Kieses sowie bei weniger „verbackenen“ natürlichen Strukturen von vorhanden und geeigneten Laichflächen
  • Anfang bis Mitte Oktober werden die zuvor gepflügten oder bereits geeigneten Stellen mit einem Wasserstrahl min. 20cm – 30cm tief vom abgelagerten Sediment freigespült. Hierzu wird eine mobile Wasserpumpe mit Feuerwehrschlauch und Spritze verwendet.

Spülen eines Laichplatzes

Einbringen von Rollkies auf ca. 10 qm

Nach dem Freispülen werden 2 bis 2,5 t Überkornkies (Korngröße ø20 mm bis ø 63mm) eingebaut. Dies dient zur Verbesserung des Laichplatzes und fördert das natürliche Ablaichen. Zusätzlich kann der Kies durch gezielte Beimpfung zum Erbrüten von Eiern im Augenpunktstadium genutzt werden. Hier sollte der Schwerpunkt der Eier auf Regionalität und Qualität liegen.

Die einzelnen Maßnahmen in Kombination

Zusammen wirken die Bausteine am besten und können noch um ein Erbrütungsfloß ergänzt werden. Es wird ca. 3m oberhalb des gepflügten, gespülten oder eingebrachten Kieses ein an den Lech angepasstes Bebrütungsfloß installiert, somit haben die ausschwimmenden Fischbrütlinge im Kies Versteckmöglichkeiten. Unterhalb vom Kies werden zusätzlich kleine Fichten oder Strauchwerk eingebaut, dies bietet weiteren Schutz beim Verlassen der Kiesbrutstätte. Ein Bebrütungsfloß eignet sich besonders bei schwankendem Wasserstand, beispielsweise bei Schwellbetrieb.

Text und Bilder: Benjamin Haugg, Armin Schelkle, Dr. Erik Bohl, KFV Schongau